Mülltrennung statt Müllverbrennung – Weil Abfall nicht gleich Abfall ist.

Wer kennt es nicht: Hier mal ein Coffe to go, da mal ein verpackter Salat für die Mittagspause, eine Fertigpizza in den Ofen oder eine Fertigsuppe wenn man am Abend nicht mehr kochen möchte. „Tütchen auf, drüber und fertisch“, nach bester Jean Pütz Manier (bekannt aus dem Müller Milchreis Werbespot). – Aber wo bleibt das Tütchen?

Man kauft sich neue Schuhe oder ein neues Elektrogerät, bestellt sich CD’s oder Bücher im Internet – und überall entsteht Verpackungsmüll.

Man macht sich einen Tee, schält sich eine Banane oder bereitet sich ein schmackhaftes veganes Gericht zu und im schlimmsten Fall war es zu viel und man kippt es weg – übrig bleibt Biomüll.

 

Die Fakten des Problems.

 

Im Jahr 2012 wurde zuletzt eine Analyse der „Zusammensetzung der haushaltstypischen Siedlungsabfälle“ in Deutschland durch das Umweltbundesamt durchgeführt. Es wurde also aufgelistet, aus was genau sich unser Hausmüll zusammensetzt. Das Diagramm des Umweltbundesamtes spricht dabei Bände…

marius

Wenn wir uns nun vor Augen führen, dass eine unbehandelte Deponierung des Haus-/Restmülls in Deutschland gesetzlich verboten ist, können wir uns auch denken, was geschieht. Bis zu 73% des Hausmülls, dort wo es keine Biotonne gibt sogar über 90% des Mülls können in die Situation geraten unter zusätzlichem Ressourcenverbrauch endgültig verbrannt zu werden. Dies stellt eine riesige Verschwendung der Kapazitäten unseres verwertbaren Abfalls dar. Zum Glück kann dieser Verschwendung durch industrielle Vorsortierung ein wenig Einhalt geboten werden, der erste Schritt muss jedoch schon im Haushalt stattfinden, damit man nicht eine Restmülltonne vor die Türe stellt, die vielleicht wertvoller ist als die neue Hose, die man sich eben gekauft hat (und natürlich die Shoppingtüte aus Plastik wieder mal mit nach Hause genommen hat).

 

Die Lösung des Problems.

 

Die drei R’s – Reduce, Reuse, Recycle

First: Reduce

Natürlich sollte das erste Ziel die Müllvermeidung sein. Hilfe hierzu gibt es in einigen unserer früheren Einträge z.B. Love Food- Hate Waste,  500 Jahre shoppen, Alu in Ordnung?, Nicht Einweg, nicht Mehrweg, sondern Dein Wegt. Mancher Müll wird jedoch trotz bester Müllvermeidungsstrategie von Zeit zu Zeit anfallen.

Am einfachsten ist es natürlich, alles in dieselbe Tonne zu kloppen; das spart Zeit, Platz und nach dem Motto „aus den Augen aus dem Sinn“ hat man keinen Stress damit. – Aber das ist nicht der Sinn der Übung!

Then: Reuse

Was macht man mit angefallenem Müll, der noch verwertbar ist – man wird kreativ! Den Müll einfach wegzuwerfen ist doch langweilig und vor allem nicht sparsam. Aus vielem, das sonst in der Tonne landen würde, lässt sich noch was machen. Hier ein paar kurze Gedanken und Tipps

  • Alte Zeitungen eignen sich hervorragend zum Trockenreiben von Fenstern und Spiegeln – also den Orten in der Wohnung, mit denen man, vor allem bei dem Mannheimer Kalkwasser, eigentlich am meisten Schwierigkeiten hat. Und um den Putzvorgang zu vervollständigen: Alte weiße Unterwäsche eignet sich hervorragend als Putzlappen.
  • Ist das Essen mal nicht leergeworden muss es nicht gleich in die Tonne gekloppt werden: Aufläufe mit Käse, Eintöpfe oder ein Risotto eignen sich super zum „verstecken“ von Essensresten. Dann hat man einen vollen Bauch und ein gutes Gewissen.
  • Altkleider kann man natürlich so lange im Schrank lassen, bis sie wieder modern werden. Auch kann man sie in einen Second-Hand-Laden zur für die weitere Nutzung übergeben. Wenn Ihr kreativ werden wollt und ein bisschen Zeit und handwerkliches Geschick habt, könnt Ihr Eure alte Kleidung aber auch zu Taschen umfunktionieren oder damit Eure neue Lieblingskleidung flicken.

Seid kreativ, dann lässt sich fast jeder Müll noch verwerten!

Last but not least: Mülltrennung und Recycling!

In fast allen deutschen Städten und auf dem Land sowieso gehört er schon ins Landschaftsbild: der Wertstoffhof. Umgangssprachlich auch als Recyclinghof bezeichnet, schmiegt sich diese Einrichtung perfekt in den samstäglichen Ablauf von nahezu einem Drittel der Deutschen, direkt zwischen Einkauf und Gartenarbeit, ein. Der Wertstoffhof nimmt als Ergänzung zum häuslichen Programm der kommunalen Abfallwirtschaft (hier in Mannheim bestehend aus der Restmülltonne, dem gelben Sack und NEU: der BIOTONNE alle übrigen Abfallstoffe auf.

Ein Auszug aus der Webseite der Mannheimer Recyclinghöfe zeigt:

„Altglas, Altkleider, Altpapier / Pappe, Autobatterien, Altholz, Altreifen, Bauabfälle, Elektro- und Elektronikgeräte, Energiespar- und Leuchtstofflampen, Grünabfälle, Haushaltsbatterien, Korken, Kühlschränke, Medikamente, Metall, Problemstoffe, Schuhe, Sperrmüll sowie Haushaltsgroßgeräte wie Küchenherde, Wasch- oder Spülmaschinen“

… hier wird einem Alles abgenommen.

 

Wo gibt es Recyclinghöfe in meiner Nähe?

Da die Recyclinghöfe kommunal betrieben werden, steht diese Info meistens auch auf der Webseite der jeweiligen Kommune. Mannheim kann hier mit zwei Recyclinghöfen aufwarten (nachzulesen hier):

  • Im Morchhof 37, geöffnet: Montag – Samstag 8 – 16 Uhr
  • Max-Born-Straße 28, geöffnet: Montag 13 – 16 Uhr, Dienstag – Samstag 8 – 16 Uhr

 

Wie bringe ich Recycling überhaupt in meinen Alltag?

Anfänglich steht man bei seinem Vorhaben zu recyceln wahrscheinlich vor der ein oder anderen logistischen Herausforderung: Kleine Wohnung/WG, Mitbewohner haben kein Interesse, der Weg zum Recyclinghof ist zu lang, kein fahrbarer Untersatz und so weiter… All diese Probleme bedürfen – wie immer wenn es um Nachhaltigkeit geht – Eurer Kreativität:

Zu kleine Wohnung/WG: Das Problem kennen alle Studenten und auch viele Menschen danach. Der Platz ist eng in der Stadt, der Wohnraum teuer, deshalb ist die Wohnung meist klein und funktional eingerichtet. Und genau hier kann man einhaken:

Ihr bewahrt Eure Einkaufstüten sowieso in einer Schublade auf? („man könnt‘ es ja irgendwann nochmal brauchen“) – Dann ist das ab jetzt Eure Schublade für den Plastikmüll.

Ihr habt die Schuhschachtel Eurer letzten Errungenschaft noch auf dem Schrank stehen? („die sieht so cool aus“) – Dann ist das ab jetzt Euer Karton für Papier und Karton/Papp-Abfälle.

Der Biomüll kommt in den Restmülleimer unter der Spüle? („aber verdammt, der Restmüll riecht immer so eklig“) – Dann stellt Euch ein kleines Gefäß daneben und startet Euren eigenen Indoor-Kompost (siehe unten).

Mitbewohner haben keinen Bock: Hier gilt das Prinzip des Tauschhandels: Eine Hand wäscht die Andere – Gefallen für Gefallen. Ihr werdet Euch schon einig werden 😉

Der Transport zum Recyclinghof: Hier kommen wir zum ersten Mal an die Grenzen des machbaren, wenn aus eigener Kraft wirklich nichts machbar ist, um die Wertstoffe zum Recyclinghof zu bringen. Und an dieser Stelle muss man der Social-Media-Seite Facebook auch mal was gute abgewinnen. In den vielen „Free Your Craft“-Gruppen kann man sich für jede Stadt mit Leuten vernetzten, die etwas ähnliches im Schilde führen und so bestimmt auch ein gutes Taxi zum nächsten Recyclinghof finden – und vielleicht auch gleich einen Mülltrennpartner fürs Leben.

Zum Weiterlesen, sehen, denken, machen…

  • Der Bokashi-Eimer,  kompostieren direkt in der Küche: Müll weg – Dünger her!
  • Ein umfassender Recycling-Guide von der Insel, der auch auf dem europäischen Festland anwendbar ist.
  • Das Mother Nature Network hat fünfzig lustige und skurrile Tipps zum Wiederverwenden gesammelt
  • Hier findet Ihr einen Alltagshelfer zum Recyclingthema
  • Die Stadt Mannheim hat im letzten Jahr eine Werbekampagne für die neue Mannheimer Biotonne gestartet. Ich als Landei war, bevor ich mich über diese initiative gefreut habe, zuerst einmal darüber entsetzt, dass es sowas vorher noch nicht gab. Die Biotonne ist jedoch nicht verpflichtend, weshalb die Verteilung bisher auch nur mäßig anlief. Wenn Ihr Interesse habt, gibt es hier einen ersten Infoflyer, den man auch seinem – hoffentlich an dem Tag gut gelaunten – Hausverwalter/Vermieter mal ans Herz legen kann.

 

Weil jeder Abfall zählt.