Liebervoller Protest mit grünem Daumen

Die Fakten des Problems.

Die Urbanisierung nimmt immer weiter zu. Alle wollen in die Stadt und niemand mehr aufs Land. In überfüllten Städten fehlt vor allem eins: der Bezug zur Natur. Im technologisierten Konsumzeitalter kann man sich schnell genug virtuell in allen Geschehnissen der Welt verlieren und so den Raum vor der Haustür vergessen. Wir kaufen Tomaten aus Italien und fahre nach Schweden um „den Akku aufzuladen“. Aber geht das nicht auch direkt vor der Haustür?

 

Die Lösung des Problems.

Urban Gardening!  Die gärtnerische Nutzung von städtischen Freiflächen durch Jung und Alt, kann man inzwischen in jeder größeren Stadt antreffen- auch in Mannheim! Das Wie und Wo erfahrt Ihr im Folgenden:

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urban3Mit Guerilla Gardening am alten Messplatz haben Roland und seine Mitstreiter angefangen und nach und nach mit kleinen Gesten wie bepflanzten Tetrapaks, bunte Farbtupfer in der Stadt verteilt. Aus den kleinen Anfängen ist ein großes Projekt entstanden: der „Urban Garden“ in Neckarstadt West. Seit mittlerweile vier Jahren pflanzen dort Mannheimer jeden Alters und Ursprungs, Gemüse, Obst, Blumen und Kräuter an. Es gibt Bienenstöcke, ein Insektenhotel und sogar eine Kochinsel, auf der bereits mit Zutaten aus dem Garten gekocht wurde.

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Im Laufe der Jahre hat sich der Garten so gut entwickelt, dass es mittlerweile mehr begeisterte Helfer und Gärtner gibt, als Platz. An der Max-Joseph-Straße soll nun ein zweiter entstehen. Auch im Lindenhof wurde im März letzten Jahres aus der Idee eines gemeinschaftlichen Gartens auf der etwas trostlosen Betonfläche des Pfalzplatzes, Realität. Jetzt wachsen Obst und Gemüse auf zahlreiche Hochbeete aus alten Einmalpaletten. 2 bis 3 Meter Beton trennt den Garten von einem unterirdischen Tiefbunker. Mittlerweile haben sich sogar Wildbienen, die unter Artenschutz stehen, dort eingenistet. Beide Gärten sind Paradebeispiele für Nachhaltigkeit im städtischen Raum. Beete und Sitzmöglichkeiten entstehen durch Upcycling, die Gartengeräte kommen größtenteils durch Spenden zusammen. Es gibt Kompostgestelle und außerdem in beiden Gärten

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einen Verteiler der Plattform „Food Sharing“, bei der Lebensmittel abgegeben werden (mehr dazu im Blogpost „Love Food – Hate Waste“), die sonst im Müll gelandet wären. Was dann doch verschimmelt, kommt einfach auf den Kompost der Gärten und lässt sich so wunderbar in die biologischen Kreisläufe integrieren.

„Urban Gardening“ als Konzept wächst jedoch weit über die Ansätze der Nachhaltigkeit hinaus. Es ist ein politisches Statement, öffnet den städtischen Raum für Vielfalt, Gemeinschaft und Bildung. Julia, Mitgründerin des Gemeinschaftsgarten Lindenhof, beschreibt es als eine Art liebevollen Protest.

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Im Rahmen des Urban Gardening zeigen die Bewohner der Neckarstadt und des Lindenhofs, genau wie in vielen anderen Städten der Welt, dass sie aktiv an der Gestaltung ihres Stadtteils und ihres Lebensraums teilnehmen wollen. Durch die Gärten werden ganz neue Netzwerke geschaffen, neben den Beeten werden auch soziale Projekte gepflegt. Der Garten in Neckarstadt ist auf einem Platz entstanden, um den viele einen Bogen machten. Alkoholkranke Menschen saßen gemeinsam auf den Bänken und wurden von den übrigen Anwohnern gemieden. In den letzten vier Jahren hat sich das dank des Gartens geändert.urban2

Alle haben Zugang zum Garten, es gibt keine strengen Regeln, sondern ein friedliches und tolerantes Miteinander, jeder ist willkommen. Einige der Alkoholkranken gärtnern selbst, einer von ihnen zieht zurzeit ein verwaistes Rabenkind groß. Im vergangen Jahr gab es Aktionen mit den Flüchtlingen der Mannheimer Flüchtlingserstaufnahmestelle LEA durch die einige Flüchtlingsbeete entstanden sind. Auch im Lindenhof hat der Garten neues Leben auf den Pfalzplatz gebracht, viele haben zum ersten Mal wirklich ihre Nachbarn kennengelernt.

 

 

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Wer mitmachen will ist gerne Willkommen. Zwar gibt es in der Neckarstadt nur noch wenig Platz für neue Beete, aber es lohnt sich einfach mal vorbei zu fahren, sich das großartige Projekt anzusehen und die Atmosphäre zu genießen. Es gibt stillere Ecken an denen man sich zurückziehen kann, aber auch Tische und Bänke zum Beisammensitzen, mittlerweile sogar ein Bücherregal. Und wer Ideen hat, neue Bänke bauen will oder den Teich pflegen, ist ebenso herzlich Willkommen. An einem Sichtbrett im Garten werden neue Aufgaben oder Aktionen öffentlich gemacht.

Am Pfalzplatz gibt es noch reichlich Platz und jeder ist eingeladen vorbei zu schauen, im Gemeinschaftsbeet zu helfen oder selbst ein Hochbeet zu bauen. Die Kosten liegen bei ca. 2 Euro im Monat, bei Interesse einfach eine E-Mail an kontakt@gemeinschaftsgarten-lindenhof.

 

Also wir sind definitiv sehr begeistert von den beiden Gärten und ihren vielfältigen positiven Folgen und träumen bereits von einem urbanen Garten an der Uni. Wen es jetzt schon in den Fingern juckt gleich mal loszulegen, kann auch in der WG anfangen, mit Kräutern aus dem Tetrapak nach Anleitung des Berliner Originals „Prinzesinnengarten“.

 

Zum Weiterlesen, sehen, denken, pflanzen, buddeln…

In der Neckarstadt in Mannheim:

Im Lindenhof in Mannheim:

Spannende Links:

Weil jede Pflanze zählt.

 

 

Wir danken Gemeinschaftsgarten Lindenhof und  Urbaner Garten Mannheim, für die großzügige Bereitstellung der Bilder.